Klavierservice Weldert

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Als gelernter Klavierbauer bin ich seit 1992 in Münster selbständig.

Ich habe ein recht neues Yamaha Silent Klavier gestimmt, wobei ich über einige Besonderheiten gestolpert bin.Zuerst die ...
05/05/2026

Ich habe ein recht neues Yamaha Silent Klavier gestimmt, wobei ich über einige Besonderheiten gestolpert bin.

Zuerst die vorbildliche Konstruktion der Stummschaltung. Man kann die Mechanik einfach so heraus nehmen. Bei den Vorgängermodellen musste man immer Bowdenzüge aushängen, was durchaus fummelig sein kann. Ganz zu schweigen von Konstruktionen anderer Hersteller. Besonders nervig ist das beim Bechstein Vario System.

Dann ist mir die komische Form der Hammerköpfe aufgefallen. Da ist ja regelrecht eine Kante hinein gefeilt worden. Keine Ahnung, warum. Aus klanglichen Gründen? Oder um die Hämmer leichter zu machen?

Und was ich auch noch nicht kannte: ein Strichcode auf den Hammerköpfen. Modern.

Ein schönes Beispiel dafür, wie asiatische Hersteller versuchen, ihren Klavieren ein europäisches Gesicht zu verleihen. ...
20/02/2026

Ein schönes Beispiel dafür, wie asiatische Hersteller versuchen, ihren Klavieren ein europäisches Gesicht zu verleihen. Üblicherweise wird ein möglichst deutsch klingender Name gewählt um den Eindruck zu erwecken, das Instrument käme aus Deutschland. Aber ein pseudo Schweizer Instrument ist mir vorher noch nicht begegnet. Wurde wohl in den Neunzigern in Japan hergestellt. Heute kommen solche angeblich deutschen Instrumente aus China. Oftmals übernehmen die Chinesen dann Namen, die tatsächlich mal bestanden haben, deren ursprüngliche Hersteller aber schon lange nicht mehr produzieren. Beispiele: Ritmüller, Berdux, Tetsch & May, May Berlin. Und wenn so wie hier ein fiktiver Name erfunden wird, dann sollte zumindest der Wortbestandteil "Stein" darin vorkommen. Ich warte noch auf Bösensteiner oder Bechsteinway oder Blüthnerstein.

Heute habe ich ein Klavier für ein Konzert morgen gestimmt. Problem: ich fand gerissene Saiten vor. Also war Saiten ausw...
05/02/2026

Heute habe ich ein Klavier für ein Konzert morgen gestimmt. Problem: ich fand gerissene Saiten vor. Also war Saiten auswechseln angesagt. Eine Arbeit, die ich aus orthopädischen Gründen nicht gerne mache. Man verrenkt sich dabei den Rücken und bricht sich dann auch noch die Ohrläppchen. Was für ein Gefummel!

Aber das größere Problem ist: die neuen Saiten dehnen sich noch nach und sinken somit in der Tonhöhe ab. Und das nicht nur direkt nach dem Aufziehen der Saiten, sondern auch noch Stunden, Tage, Wochen und sogar Monate danach noch.

Da morgen das Konzert ist, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: mit einem Filz die neuen Saiten "stumm schalten", sozusagen deaktivieren, so dass sie nicht mit klingen können. Das klingt dann zwar etwas komisch, aber das auch nur bei genauem Hinhören. Außerdem ist es immer noch besser, als eine verstimmte Taste für ein Konzert zu hinterlassen. Bei der nächsten Stimmung in einigen Wochen/Monaten dann wird der Filz wieder entfernt und die Taste fein gestimmt. Dann sollte es halten. Selbst wenn ich morgen kurz vor dem Konzert noch diese Taste nachgestimmt hätte: sie hätte sich im Verlauf des Konzerts noch reichlich verstimmt. Von daher ist der Trick mit dem Filz die weniger schlimme Lösung.

Maschinelles einspielen, damit sich die Filze setzen. Nennt sich einpauken.
06/01/2026

Maschinelles einspielen, damit sich die Filze setzen. Nennt sich einpauken.

Im Gegensatz zu 99,9% aller Klaviere hat dieses Young Chang eine Besonderheit: die Anordnung der Stimmwirbel. Man kann e...
07/12/2025

Im Gegensatz zu 99,9% aller Klaviere hat dieses Young Chang eine Besonderheit: die Anordnung der Stimmwirbel. Man kann es gut auf der rechten Bildhälfte sehen bei den blanken Stahlsaiten. Jeweils die linke Saite einer Taste ist am oberen Wirbel befestigt. Aber bei den kupferumsponnenen Bass-Saiten (linke Bildhälfte) ist es bei diesem Klavier leider genau umgekehrt. Und weil man das von den anderen 99,9 % aller Klaviere weltweit so gewohnt ist, muss man wirklich aufpassen, dass man beim stimmen nicht aus Versehen am falschen Wirbel dreht und dadurch eine Saite reißt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schon so einigen Stimmern passiert ist. Und nicht nur Lehrlingen.

Da haben sich bei einem DDR Klavier die weißen Tastenbeläge gelöst. Der Kunde hat sie selber wieder fest geklebt. Eigent...
04/12/2025

Da haben sich bei einem DDR Klavier die weißen Tastenbeläge gelöst. Der Kunde hat sie selber wieder fest geklebt. Eigentlich kein Problem, kann man durchaus selber machen. Aber man sollte schon darauf achten, dass man sie gerade anbringt. Ansonsten reiben die Beläge an der Nachbartaste, so dass bei klemmen. So wie hier.

Grotrian-Steinweg hat die Reguliermaße für seine Klaviere als Ausdruck im Klavier hinterlassen. Der Hersteller Sauter ha...
27/11/2025

Grotrian-Steinweg hat die Reguliermaße für seine Klaviere als Ausdruck im Klavier hinterlassen. Der Hersteller Sauter hat das auch so gemacht. Aber eigentlich überflüssig, denn jeder Techniker kennt diese Standardmaße.

In den Siebziger Jahren fand man das total schick.
12/11/2025

In den Siebziger Jahren fand man das total schick.

Diese Woche habe ich ein Ritmüller Klavier von 1878 gestimmt. Noch mit den originalen Saiten, die ja fast 150 Jahre alt ...
26/10/2025

Diese Woche habe ich ein Ritmüller Klavier von 1878 gestimmt. Noch mit den originalen Saiten, die ja fast 150 Jahre alt sind. Zum Glück ist keine gerissen.

Die Konstruktion ist ein sogenannter Geradsaiter: die Saiten gehen gerade von oben nach unten und überkreuzen sich nicht wie bei den heutigen Kreuzsaitern. Kreuzsaiter haben den Vorteil von längeren Saiten. Längere Saiten sind wünschenswert, weil sie freier schwingen als kurze Saiten.

Ein weiteres Konstruktionsmerkmal hier ist die Gussplatte, die nicht bis ganz nach oben durchgeht. Da würde man weniger Stabilität erwarten. Als Konsequenz sollte man so ein Klavier nicht auf 440 Hz stimmen, da es diese große Zugspannung möglicherweise nicht aushält. Nicht so in diesem Fall: ich hatte es bereits vor 13 Jahren gestimmt und musste es damals sogar in zwei Durchgängen runter stimmen, da ich es auf 445 Hz vorfand. Also um 20 Cent zu hoch gestimmt. Und das erstaunliche jetzt war: es stand immer noch auf 440 Hz und war kaum verstimmt. Unglaublich.

Weitere Besonderheiten: der Hammerstiel und der Dämpferarm teilen sich eine gemeinsame Kapsel, während heutige Klaviere dafür jeweils eigene Kapseln haben. Die Kapsel ist quasi die Befestigung dieser Mechanikteile.

Verletzungsgefahr: nicht ganz ungefährlich. Der sogenannte Moderator (eine Vorrichtung zum leise machen) ist meist mit e...
16/10/2025

Verletzungsgefahr: nicht ganz ungefährlich. Der sogenannte Moderator (eine Vorrichtung zum leise machen) ist meist mit einem Drahtzug zu betätigen. Bei diesem Klavier ist der jedoch so unglücklich angebracht, dass der feste Draht genau da in die Luft ragt, wo man sich beim stimmen mit dem Handgelenk aufhält. Also genau an der Pulsader.

Ich habe auf das Ende des Drahtes einen Filz gesteckt, damit ich mich nicht verletze.

In Klavieren aus Langlau (Feurich, Hoffmann, Euterpe) fand sich in den siebziger Jahren immer dieser Aufkleber. Ich habe...
24/09/2025

In Klavieren aus Langlau (Feurich, Hoffmann, Euterpe) fand sich in den siebziger Jahren immer dieser Aufkleber. Ich habe das schon immer für einen Marketing-Gag gehalten. Aber ich habe tatsächlich mal ein sehr altes Klavier gesehen, bei dem in der Mechanik Filze und Leder nicht nur verleimt, sondern auch noch vernäht waren. Was ein Aufwand.

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