Lektorat Stephan Herbst - Aus Liebe zur Sprache

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04/10/2020

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Mein Lektüretipp fürs Wochenende: Ein Buch über das Suchen und Finden der Sinnhaftigkeit des Lebens in den Wellen der Ze...
25/09/2020

Mein Lektüretipp fürs Wochenende: Ein Buch über das Suchen und Finden der Sinnhaftigkeit des Lebens in den Wellen der Zeit. 🌊👣

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich jeweils am letzten Montag im Monat mit einer Frage ausein...
27/07/2020

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich jeweils am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinander, die des Öfteren an mich herangetragen wird, mit der Frage nämlich: Was lesen eigentlich Lektoren in ihrer Freizeit? Dabei stelle ich jeden Monat in aller Kürze einen geduldigen Begleiter in ruhigen Stunden vor.

Meine persönliche Leseempfehlung des Monats Juli stammt aus der Feder von Douglas Adams, Autor von "Der tiefere Sinn des Labenz. Das Wörterbuch der bisher unbekannten Gegenstände und Gefühle" (1983/1990) und "Die Letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde" (1991). Die Idee zu seinem bekanntesten Werk, um das es mir in meinem heutigen Beitrag geht, kam ihm laut eigenen Angaben, als er nach einem Kneipenbesuch in Innsbruck angetrunken auf einem Acker lag und in die Sterne schaute. Diese romantische Begebenheit war Anstoß für den ersten Teil seiner fünfbändigen "Intergalaktischen Trilogie". Die Rede ist von:

"Per Anhalter durch die Galaxis" (1979).

"Eines normalen Tages erfährt Arthur Dent zufällig, dass die Zerstörung der Erde unmittelbar bevorsteht: Sie soll einer Hyperraum-Umgehungsstraße weichen. Zum Glück entpuppt sich sein bester Freund als Außerirdischer, der sie per Anhalter auf ein Raumschiff schleust und so rettet. Zumindest erst mal. Denn bevor sie die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest erfahren, müssen sie gemeinsam mit dem debilen Präsidenten der Galaxis und einem schwermütigen Roboter den unwahrscheinlichsten Planeten überleben, den es je gab."

Liebend gern würde ich mehr zu dem Roman schreiben, bei dem ich aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen bin, bin aber noch immer erschüttert – oder vielmehr fasziniert – von der vogonischen Dichtkunst, der – ich traue es mich gar nicht zu sagen – drittschlechtesten im Universum. Auszug gefällig? Nehmt das:

"Oh zerfrettelter Grunzwanzling
Dein Harngedränge ist für mich
Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
Grupp, ich beschwöre dich, mein punzig Turteldrom.
Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
Mit meinem Börgelkranze, warts nur ab!"

Hinfort mit den Schillers, Heines und Rilkes dieser Welt! Lest mehr Prostetnik Vogon Jeltz. Und allen schmerzresistenten Lesern mit etwas weniger Anspruch an die fundamentalen Dichotomien der Vogonität sei die "Ode an einen kleinen grünen Kittklumpen, den ich eines Sommermorgens in meiner Achselhöhle fand" von Grunthos dem Aufgeblasenen ans Herz gelegt.

Wem die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett (1983–2015) oder die "Sterntagebücher" von Stanisław Lem (1957) zusagen, der könnte auch Gefallen an "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams finden. Letztlich ist es ein Buch für jeden, der sich für Galaktischen Dadaismus nicht zu schade ist, im Grunde jedoch nur wissen will, was es am Sankt-Nimmerleins-Tag im Restaurant am Ende des Universums zu essen gibt.

"Stimmen der Nacht" von Thomas Ziegler ... Was für ein spannendes Buch. Was für eine Atmosphäre diese Sprache zu entfach...
22/07/2020

"Stimmen der Nacht" von Thomas Ziegler ... Was für ein spannendes Buch. Was für eine Atmosphäre diese Sprache zu entfachen vermag ... Chapeau!!

"Vierzig Jahre nach Durchsetzung des Morgenthau-Plans ist Deutschland ein rückständiges Agrarland ohne jede Industrie. Die Städte sind verfallen, die Bevölkerung ist verarmt. Aber die N***s, mächtiger denn je in ihren südamerikanischen Andenfestungen, erheben Anspruch auf die Weltherrschaft und erwarten die Wiederkunft des Führers.

Ein Roman von alptraumhafter atmosphärischer Dichte und beklemmender Aktualität."

Allen Freunden vertrackter, stimmungsgeladener, deutschsprachiger Science-Fiction und zerebraler Gymnastik sei Wolfgang ...
08/07/2020

Allen Freunden vertrackter, stimmungsgeladener, deutschsprachiger Science-Fiction und zerebraler Gymnastik sei Wolfgang Jeschkes Perle "Der Zeiter" ans Herz gelegt. Das Büchlein versammelt acht durch und durch fesselnde Erzählungen, die dem Leser einiges abverlangen; Erzählungen über Sirenen an Ufern, Tore zur Nacht, einen König und einen Puppenmacher, eine Welt ohne Horizont etc. Grandios.

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich jeweils am letzten Montag im Monat mit einer Frage ausein...
29/06/2020

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich jeweils am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinander, die des Öfteren an mich herangetragen wird, mit der Frage nämlich: Was lesen eigentlich Lektoren in ihrer Freizeit? Dabei stelle ich jeden Monat in aller Kürze einen geduldigen Begleiter in ruhigen Stunden vor.

Meine persönliche Leseempfehlung des Monats Juni stammt aus der Feder von Samuel Beckett, Autor von "Molloy" (1951) und "Endspiel" (1957). Das Theaterstück – ja, diesmal kein Roman –, um das es mir in meinem heutigen Beitrag geht, wurde im Januar 1953 im Théâtre de Babylone in Paris uraufgeführt und erlebte bereits im Sommer desselben Jahres seine deutsche Erstaufführung. Es ist ein prominentes Beispiel dafür, dass die titelgebende Figur nicht immer in persona auftreten muss, um im Mittelpunkt zu stehen und in aller Munde zu sein. Die Rede ist von:

"Warten auf Godot" (1952).

Der Philosoph Günther Anders schrieb über das Stück: "Der Clown ist von einer Traurigkeit, die, da sie das traurige Los der Menschen überhaupt abspiegelt, die Herzen aller Menschen solidarisiert und durch diese ihre Solidarisierung erleichtert ... Die Farce scheint zum Refugium der Menschenliebe geworden zu sein; die Komplizenhaftigkeit der Traurigen zum letzten Trost. Und weiß auch die Tröstung nicht, warum sie tröstet und auf welchen Godot sie vertröstet – sie beweist, daß Wärme wichtiger ist als Sinn; und daß es nicht der Metaphysiker ist, der das letzte Wort behalten darf, sondern nur der Menschenfreund."

Wer ist Godot? Diese Frage steht seit der Uraufführung von Becketts Stück im Raum. Und da steht sie gut, würde Beckett wohl sagen, der es zeitlebens vermieden hat, Interpretationen zu seinen Texten anzubieten. Im Grunde ist es keine andere Frage als die Frage nach dem Sinn des Lebens, danach, wo alles herkommt und wo alles hingeht – und ob ich abgeholt und dorthin mitgenommen werde –, danach, wer ich bin und wenn ja, wie viele. Weder Wladimir noch Estragon, die beiden Protagonisten des Stücks, haben ihn je zu Gesicht bekommen. Ihn. Den großen Unbekannten. Von dem alle Welt spricht. Und auf den alle warten. Also warten auch sie. Und während sie auf ihn warten, gerät das Warten selbst infrage: "Was sollen wir also machen?/ Gar nichts. Das ist klüger./ Warten wir ab, was er uns zu sagen hat./ Wer?/ Godot?/ Ach ja." Kommt er? Kommt er nicht? War er schon da? Er kommt nicht. Stattdessen kommt ein Herr namens Pozzo, der seinen Knecht Lucky wie einen Hund an der Leine führt. Ein Mensch an der Leine? Ist das der Mensch, von dem Jean-Jacques Rousseau behauptet, er sei frei geboren, und überall liege er in Ketten? Was soll das alles? Wohin führt es? Soll es überhaupt irgendwo hinführen? Ist es ein Spiel? Ist es Realität? Möglicherweise finden wir die Antwort in Albert Camus' berühmten Essay "Der Mythos des Sisyphos". Dieser schließt mit den Worten: "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." Glücklich? Ja! Vielleicht kommt Godot ja doch noch ... Dann, wenn das Stück schon längst zu Ende ist ...

Wem "Das Kalkwerk" von Thomas Bernhard (1970) oder "Der alte Mann und das Meer" von Ernest Hemingway (1952) sowie die Werke Franz Kafkas zusagen, der könnte auch Gefallen an "Warten auf Godot" von Samuel Beckett finden. Letztlich aber ist und bleibt das Stück absurd, so absurd wie vielleicht das Leben selbst; ein Stück – um den Untertitel von Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" aufzugreifen – "für Alle und Keinen".

Lesetipp fürs Wochenende:"Wer die Nachtigall stört ..." (1960) von Harper Lee."Scout und ihr Bruder Jem, Kinder des Rech...
13/06/2020

Lesetipp fürs Wochenende:

"Wer die Nachtigall stört ..." (1960) von Harper Lee.

"Scout und ihr Bruder Jem, Kinder des Rechtsanwaltes Atticus, erleben das Zauberreich ihrer Kindheit mit all seinen Abenteuern, Freuden, Geheimnissen und Bedrängnissen. Umschirmt von der gütigen Rechtschaffenheit des Vaters, umsorgt von der schwarzen Haushälterin Calpurnia, leben sie, wenn auch mutterlos, in einer doch heilen Welt. Auf ihre Art versuchen sie sich diese Welt zu eigen zu machen. Sie erfahren, daß die Welt auf sie zukommt: mit dunklen Drohungen, mit Zwiespalt und Haß. Sie erleben den tragischen Justizmord an einem N***r, den ihr Vater, von der Unschuld des Angeklagten überzeugt, vergeblich zu verteidigen sucht. Sie lernen, was es heißt, Toleranz zu üben. Und eben das: dieser unaufdringlich erzählerisch geübte Hinweis auf die Macht menschlicher Toleranz macht Harper Lees Roman so liebenswert. Diese so selbstverständlich einfach erzählte Kindheitsgeschichte, die ein atmosphärisch dichtes Bild amerikanischen Kleinstadtlebens spiegelt, verleugnet nicht die Realität, nicht die Abgründe des Lebens. Ein Buch sanfter Poesie, erfüllt von Güte und Humor, zeugt Harper Lees Roman von einer Lebensweisheit, die erstaunlich anmutet." (Heinz Albers)

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich immer am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinan...
25/05/2020

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich immer am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinander, die des Öfteren an mich herangetragen wird, mit der Frage nämlich: Was lesen eigentlich Lektoren in ihrer Freizeit? Dabei stelle ich jeden Monat in aller Kürze einen geduldigen Begleiter in ruhigen Stunden vor.

Meine persönliche Leseempfehlung des Monats Mai stammt aus der Feder von Chuck Palahniuk, Autor von "Der Simulant" (2001) und "Stranger Than Fiction: Wahre Geschichten" (2004). Der Roman, um den es mir diesmal geht, war ursprünglich eine Kurzgeschichte und wurde 1999 von David Fincher mit Brad Pitt, Edward Norton und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen verfilmt. Er erreichte innerhalb kürzester Zeit Kultstatus. Die Rede ist von:

"Fight Club" (1996).

"Sie sind jung, sie sind stark - und sie sind gelangweilt: Normale, berufstätige Männer und Familienväter auf der Suche nach einem Mittel gegen die Leere in ihrem Leben. Sie treffen sich auf Parkplätzen und in Kellern von Bars, um mit nackten Fäusten gegeneinander zu kämpfen. Der Anführer dieser 'Fight Clubs' ist Tyler Durden, und er ist besessen von dem Plan, furchtbare Rache an einer Welt zu nehmen, in der es keine menschliche Wärme mehr gibt ..."

Der Inhalt lässt sich mit einer ebenso simplen wie provozierenden Tagline zusammenfassen: "Übermut. Chaos. Seife." Der Leser macht einerseits Bekanntschaft mit dem an chronischen Schlafstörungen und Langeweile leidenden namenlosen Ich-Erzähler und andererseits mit dem charismatischen Seifenverkäufer und Bombenbauer Tyler Durden. Letzterer glaubt, nur Selbstzerstörung könne das Leben wirklich lebenswert machen. Sein Credo: "Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit, alles zu tun, was du willst." Besitz macht abhängig. Durden ist die Stimme der Provokation, der bürgerlichen Unvernunft. Er ist der Messias, der mahnt, wie schlimm alles ist, wobei nichts so schlimm ist, dass es nicht noch schlimmer werden kann: "Wir werden die Zivilisation zerstören, damit wir etwas Besseres aus dieser Welt machen können." Er ist der längst überfällige Faustschlag ins Gesicht des bis zur völligen Selbstaufgabe loyalen Angestellten, der ihn aus seiner Lethargie herausreißt. Er gibt den identitäts- und emotionslosen Dienern einer kalten, von Stereotypen geprägten Gesellschaft eine Bestimmung: das 'Projekt Chaos'.

Das Buch kann als eine zeitgenössische Kritik am strikten Materialismus, nackten Konsumwahn und blinden Gehorsam gelesen werden - oder als Bombenbauanleitung und Einleitung in die Anarchie (natürlich stets mit einem Augenzwinkern und zynischem Unterton). Doch auch Anarchie braucht Regeln. Genau genommen: acht. Aber pssst: "Man redet nicht darüber." Ein Buch mit einer ungeheuren Sogwirkung!

Wem "American Psycho" von Bret Easton Ellis (1991) oder "Uhrwerk Orange" von Anthony Burgess (1962) zusagen, der könnte auch Gefallen an "Fight Club" von Chuck Palahniuk finden. Letztlich aber könnte jeder an dem Buch Gefallen finden, der einmal aus tiefstem Inneren zur Welt da draußen schreien möchte: "Ich will, dass du mich so fest schlägst, wie du nur kannst."

Feiertags- und Sonnenscheinlektüre:
21/05/2020

Feiertags- und Sonnenscheinlektüre:

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich immer am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinan...
27/04/2020

In der Rubrik "Es muss nicht immer Goethe sein" setze ich mich immer am letzten Montag im Monat mit einer Frage auseinander, die des Öfteren an mich herangetragen wird, mit der Frage nämlich: Was lesen eigentlich Lektoren in ihrer Freizeit? Dabei stelle ich jeden Monat in aller Kürze einen geduldigen Begleiter in ruhigen Stunden vor.

Meine persönliche Leseempfehlung des Monats April stammt aus der Feder von Max Frisch, Autor von "Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie" (1953) und "Andorra" (1961). Eine frühe Fassung des Romanes, um den es geht und an dem Frisch insgesamt 3 Jahre schrieb, trug den Titel "Lila oder Ich bin blind". Wer den Roman kennt, weiß, welche Bedeutung Lila im Leben des blinden-gar-nicht-so-blinden Protagonisten zukommt. Die Rede ist von:

"Mein Name sei Gantenbein" (1964).

"Der Verfasser von 'Stiller' (1954) und 'Homo faber' (1957) hat in seinem dritten großen Roman 'Mein Name sei Gantenbein' (1964) sein zentrales Thema, das Problem der Identität, die Spannung des Ichs zum anderen, nicht verlassen. Radikaler gefaßt, entfaltet es sich heiterer, reicher als bisher. Der Komplexität des Themas entspricht die Form. Der Roman spiegelt die Verschiebung von Realität und Phantasie im Bannkreis einer Situation, die die erprobte Rolle eines Menschen in Frage stellt, sein Ich freilegt. Die Geschichten des Buches sind nicht Geschichten im üblichen Sinn, es sind Geschichten wie Kleider, die man anprobiert. Es sind Rollen, Lebensrollen, Lebensmuster, die die Wirklichkeit erraten haben."

Ins Auge fällt freilich sofort der im Konjunktiv I formulierte Titel des Buches ("sei"), der sich wie eine geheime Lebensformel, wie ein sehnlichster Lebenswunsch liest. Und das liegt gar nicht so fern, denn das Credo des Erzählers, dessen eigentlicher Name unbekannt bleibt, lautet: "Ich probiere Geschichten an wie Kleider!" Doch es schließt sich unweigerlich die Frage an: Und wer bist du nun, Gantenbein? Wer ist das hinter all den Geschichten, unter all den Kleidern? Vielleicht würde er zurückfragen: Tja, wer bin ich - und wenn ja, wie viele? Das wiederum ist die Frage, die im Zentrum von Frischs Roman steht. Der Mensch, dessen wird sich der Leser bereits nach wenigen Seiten bewusst, wird hier als eine Summe von Möglichkeiten dargestellt, die über die eigene Biografie hinausreicht und sich hier und da und nur allzu gern mit Fiktionen vermischt. Das Leben? Eine wunderbare Mixtur aus Dichtung und Wahrheit. Goethe lässt grüßen. Frisch selbst meint: "Jeder Mensch, nicht nur der Dichter, erfindet seine Geschichten - nur daß er sie, im Gegensatz zum Dichter, für sein Leben hält - anders bekommen wir unsere Erlebnismuster, unsere Ich-Erfahrung nicht zu Gesicht." Am Ende jedenfalls steht für Gantenbein, oder wer auch immer er ist, fest: "Leben gefällt mir".

Wem "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil (1930/33) oder "Das Leben ein Traum" von Pedro Calderón de la Barca (1635) zusagen, der könnte auch Gefallen an "Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch finden. Im Grunde aber stellt sich früher oder später bei jedem die Frage ein: Sind wir nicht alle ein bisschen Gantenbein?

Ich bleibe auch nach Jahren und mehrmaligem Lesen dabei: "Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind ...
19/04/2020

Ich bleibe auch nach Jahren und mehrmaligem Lesen dabei: "Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind ist ein Buch, das ich, ohne zu zögern, auf eine einsame Insel mitnehmen würde, während ich alles andere zurücklassen müsste. Danke, dass es dieses Buch gibt!

Neuankömmling im heimischen Bücherregal:"Die Reise um mein Zimmer" und "Nächtliche Entdeckungsreise um mein Zimmer" (zwe...
03/04/2020

Neuankömmling im heimischen Bücherregal:

"Die Reise um mein Zimmer" und "Nächtliche Entdeckungsreise um mein Zimmer" (zwei Romane in einem Band) von Xavier de Maistre. Meine heutige Empfehlung für alle, die sich derzeit in ihren vier Wänden gefangen fühlen, und für alle Liebhaber der französischen Literatur sowieso.

"Was macht ein Mensch, der durch äußere Umstände gezwungen wird, tagelang in seinem Zimmer zu verbringen? Wie entgeht er der Langeweile, die ihn umlagert und ihm die Bilder all dessen vorgaukelt, was er vielleicht draußen versäumt? Er erklärt sein Zimmer zur ganzen Welt und macht sich auf die Reise. Was er dabei entdeckt und erforscht, sind nicht nur die Gegenstände des Zimmers, die Möbel, die Bilder, die seine Reiseroute markieren, er entdeckt deren Geschichte und mit ihr seine eigene Vergangenheit, begegnet Vertrautem und Unvermutetem, stößt auf neue Denkmöglichkeiten, erobert einen Kontinent aus Realität und Fantasie, ein Stück Wirklichkeit, das ohne den äußeren Zwang unentdeckt geblieben wäre. Daß eine solche Reise anstrengend, gefährlich und zugleich erholsam, melancholisch und doch sehr erheiternd ist, daß sie mehrere Wochen oder auch nur eine Nacht dauern kann - das alles erfährt der Leser aus diesem Buch, mit dem sein Autor Xavier de Maistre (1763-1852) nicht nur ein literarisches Kabinettstück von hoher Kunstfertigkeit geschaffen, sondern auf die Möglichkeiten fantasievoller Produktivität inmitten des engsten Territoriums aufmerksam gemacht hat."

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