21/11/2022
In 3 Minuten schlauer - Leiden verlängern
Wenn ein Mensch verstirbt, stellt er auch das Essen und Trinken ein. Ein natürlicher Prozess der durch den Hormonhaushalt geregelt ist. Die Verdauung und Ausscheidung in unserem Körper fahren langsam runter, um Energie zu sparen, warum wir irgendwann kein Hunger und Durst mehr verspüren. Wir haben vor einer Zeit den natürlichen Prozess in einem Artikel erklärt, doch was passiert, wenn wir intervenieren und dennoch Flüssigkeit geben?
Wenn der Patient aufhört zu trinken, geraten viele Menschen in eine innere Panik, in unserem Gehirn schaltet sich „wer nicht trinkt verdurstet“ an. Da die Menschen oral nichts mehr zu sich nehmen, wird häufig begonnen intravenös oder Sub cutan Flüssigkeit in den Körper zu schleusen. Dieses Verhalten mag uns beruhigen, stört aber den Ablauf des Versterbens massiv. Die in der Ringer- und NaCl Lösung vorhandenen Elektrolyte schaffen es per Diffusion ins Blutsystem zu gelangen. Die Nierentätigkeit, welche runter reduziert läuft, sind mit dem Überangebot vollkommen überfordert. Der Körper versucht nun anders dem Überangebot Herr zu werden und lässt das Venöse System durchlässiger werden. Die Flüssigkeit wird in das umliegende Gewebe, wie in eine Art Speicher geschleust. Es kommt überall im Körper zu Ödem Bildungen. Ödeme entstehen aber nicht von unten nach oben, wie viele Menschen vermuten, sondern sind nur bedingt von der Schwerkraft abhängig. So verläuft es eher nach dem Prinzip des niedrigsten Wiederstandes. Die bedeutet auch, dass sich langsam Flüssigkeit durch alle dünnen Membranen schleust. Einer der dünnsten Membranen unseres Körpers befindet sich im Übergang von Kapillaren und Alveolen. So kommt es also, dass Flüssigkeit sich in den Alveolen ansammelt, ähnlich wie bei einer links Herzinsuffizienz und die Atmung erschwert.
Unser Impulssystem, welches Schmerzreize durch niedrigen Flüssigkeitshaushalt runterfahren, werden durch das künstlich eingebrachte oben gehalten. Dies bedeutet also, dass Schmerzreize sehr lange wahrgenommen werden, obwohl dies nicht sein müsste. Auch die Gaben von Morphin werden immer höher gewählt werden müssen, die Umwandlung erfolgt normalerweise in der Leber, diese ist aber bereits wie die Nieren runtergefahren und tätigt nur noch das nötigste. Höhere Dosen am Morphin schaffen es zum Teil umgebaut zu werden, reduzieren die Schmerzen im Körper häufig nicht mehr ausreichend.
Die Sterbephasen werden also durch zusätzliche Gaben von Flüssigkeit eher gestört und das System kann, das einprogrammierte Sterben nicht richtig durchlaufen. Sodass der Todeskampf sogar mehrere Tage anhalten kann und dann manchmal sogar abrupt durch Herzversagen erst unterbunden wird, anstatt dem Körper einen friedlichen Übergang zu ermöglichen.
Lassen Sie sich dazu auch von den örtlichen Palliativdiensten beraten, wenn Unsicherheiten herrschen.
Gruß Euer Tim von www.weiterbildungen-reinhold.de