05/01/2023
In diesem Sinne wünscht FRENCH EQUI TEAM ein 'feines' neues Jahr 🍀💚
Feine Verbindung
Vor ein paar Tagen kam ich an einem Reitplatz vorbei, auf dem eine Reitlehrerin (wobei die ja heute „Trainer“ heißen, damit die Reitschüler sich nicht etwa wie jemand fühlen, der etwas lernen muss) eine Reiterin auf ihrem Pferd unterrichtete. Die Armmuskeln der Reiterin traten hervor, als würde sie gerade Gewichte heben, das Gebiss war (wie übrigens auf etlichen Fotos sogenannter Pferdefreunde, Ausbilder und Top-Reiter) auf Anschlag durch das Maul gezogen, ein enormer Druck auf den Kieferknochen und der Zunge des Pferdes, dem es durch Öffnen des Maules nicht entkommen konnte, da der Nasenriemen so fest es ging verschnallt war. „Hand stehen lassen! ER muss nachgeben! Komm mal durch mit der Hand!“ - und dann, als das Tier die Nase zur Brust nahm, um dem Druck auf dem Zügel irgendwie zu entkommen, sagte sie zufrieden: „Siehst du, jetzt hast du eine feine Verbindung.“
Nein, liebe Reiter und Reitlehrer, das ist es wirklich nicht. Ich habe es ja schon auf so vielfältige Weise zu erklären versucht, aber heute noch einmal:
Eine feine Verbindung betrifft nicht nur das Geschehen zwischen Hand und Maul. Sie entsteht aus richtiger Kommunikation mit dem Pferd, was, wie der Begriff schon sagt, niemals einseitig sein kann. Es geht darum, MIT dem Pferd zu arbeiten, ihm zuzuhören, es machen zu lassen - statt jede Bewegung kontrollieren zu wollen (was für das Pferd konsequent immer in Schmerzen, Leid und Krankheit endet). Es geht um Vertrauen, ja, aber vor allem um mentale und körperliche Fähigkeiten des Reiters. Denn nur so kann er das Pferd so trainieren, dass es keinen Schaden nimmt und nur so wird er sich zutrauen, den Zügel einfach mal loszulassen oder ihn zumindest mit größter Behutsamkeit wie das zu benutzen, was er ist: ein Instrument zur Einwirkung auf den hochempfindlichen Pferdekopf. Seid euch gewiss, liebe Reiter: 80 % der Magengeschwüre, der Fesselträgerschäden und Arthrosen würden nicht entstehen, wenn die „feine Verbindung“ bei euch anders aussehen würde. ©Julie von Bismarck Beispielbild: istock