Drei glückliche Zufälle führten 1978 zur Gründung der Genossenschaft Tigel: Ein versierter Antikschreiner stellte dem Tigel Werkzeuge und Know-How zur Verfügung, eine Weinhändlerin aus Thalwil die Räumlichkeiten im Drahtzug, und ein Buchhändler an der Sonneggstrasse garantierte die ersten Löhne. Die Räumung des Volkshauses bescherte dem Tigel eine grosse Menge Beizentische, Horgenglarus-Stühl
e und alte Küchenbuffets und legte damit den Grundstock für das Brockenhaus. Gleichzeitig konnte auch die Werkstatt (wie die Schreinerei früher hiess) ihre Arbeit aufnehmen. Gemeinsam mit dem Zirkus Federlos bauten sie die Zuschauerbühne (Gradin) für das Theaterspektakel, und zudem mussten die vielen Küchenbuffets abgelaugt und restauriert werden. Die ursprüngliche Idee der Genossenschaft war, Menschen mit Benachteiligungen einen Arbeitsplatz zu schaffen mit dem Ziel, sie wieder in den normalen Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit dem Übertritt zweier MitarbeiterInnen von der benachbarten geschützten Werkstatt „Drahtzug“ waren auch im Tigel die Kompetenzen für die Betreuung von sozial auffälligen Menschen vorhanden.
1986 erfolgte der Umzug in die ehemalige Verbandstoff-Fabrik an der Hornbachstrasse 62 im Seefeld. Die Miete ist hier zwar vier Mal höher als im Drahtzug, aber die Genossenschaft bekommt dafür mehr Laufkundschaft. Deshalb hat sie vorübergehend eine neue Abteilung „Dritte-Welt-Produkte“ eingerichtet, die Alu-Sammelstelle wird weiter betrieben, und es werden weiter Räumungen und Reparaturen gemacht. An Samstagen geht es auf den Flohmarkt am Bürkliplatz, und auch Gartenarbeiten bringen etwas Geld ein. Wichtig bei all diesen Tätigkeiten ist, dass alle alles machen. Über Mittag ist der Laden geschlossen, die ganze Belegschaft isst zusammen. Neu werden Löhne nicht mehr nach Bedarf bezahlt, sondern sie können aufgebessert werden.
2001 wurden die Statuten dahingehend geändert, dass die Betreuung von sozial benachteiligten oder handikapierten Personen seither wegfällt. Dafür unterstützen wir soziale Projekte im In- und Ausland finanziell. Wichtig ist uns dabei, die Selbständigkeit und Unabhängigkeit von bestimmten Personengruppen zu stärken. Im Zuge der Statutenrevision wird auch das Angebot gestrafft, und wir konzentrieren hauptsächlich auf den Betrieb der Brockenhalle und der Schreinerei. Der Mangel an Lehrstellen hat uns veranlasst, mit dem Amt für Berufsbildung abzuklären, ob wir als Brockenhaus geeignet sind, Lehrlinge aufzunehmen. Das Echo war positiv, und so begrüssten wir 2003 die erste Lernende, die bei uns eine Lehre als Detailhandelsassistentin absolvierte. Die Betreuung von Lehrpersonen ist eine Bereicherung, und so wagten wir uns sogar daran, einen Lernenden aufzunehmen und bis zum Lehrabschluss zu begleiten, der vorher seine Lehre zwei Mal abgebrochen hatte. In dieser Zeit hat sich die Werkstatt, wie sie anfänglich hiess, zu einer veritablen Schreinerei gemausert, und die Brockenhalle präsentiert sich wohlgeordnet und attraktiv. Durch all die Jahre ist die Selbstverwaltung ein bestimmendes Element geblieben. Alle wichtigen Geschäfte und Personalangelegenheiten werden an den Teamsitzungen diskutiert und gemeinschaftlich entschieden. Wir GenossenschafterInnen gemeinsam sind der „Tigel“. Dieses Bewusstsein macht uns stark und kreativ.