13/09/2017
Heute bestreitet Rasenballsport Leipzig sein erstes Europapokalspiel in der bisher achtjährigen Vereingeschichte. Ich habe mir dazu im speziellen und zum modernen Fußball im allgemeinen meine Gedanken gemacht. Eine angeregte Diskussion darüber und etwaige Lösungsansätze würde mich freuen.
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Nun ja, der vorläufige Höhepunkt der deutschen Red Bull Filiale.
Das Fußball inzwischen nur noch Business ist, sollte jedem klar sein. Leipzig ist aber wirklich eine neue Stufe der Pervertierung von Unternehmensinteressen auf dem Rücken des Sports.
Es bleibt abzuwarten was die kommenden Jahre bringen, aber die Entwicklungen, besonders in diesem Sommer, machen einem nicht wirklich Hoffnung.
-weitere Zersplitterung des Spieltags und dadurch verbundene Schwierigkeiten für Stadiongänger, insbesondere für Auswärtsfahrer.
-der Videobeweis schmälert die Unmittelbarkeit des Stadionerlebnisses deutlich und sorgt durch - in meinen Augen - komische Entscheidungen auch nur bedingt für mehr Gerechtigkeit.
-die öffentliche Meinung was die aktiven Szenen der Vereine angeht ist durch freche Berichterstattung vieler Medien sehr viel negativer als noch vor einigen Jahren.
-die Bedeutung von Verträgen im Profifußball lässt immer mehr nach (Tisserand oder Dembele nur als besonders unschöne Beispiele). Es fällt vielen Fans immer schwerer sich mit der eigenen Mannschaft zu identifizieren.
- der Einfluss von Investoren wird immer größer (da sehe ich auch ganz klar den HSV als Negativbeispiel) und tolle Vereine mit großer Historie und Fanbasis haben das Nachsehen gegenüber den glücklichen Klubs, die sich Fehler erlauben können. (Ja, da habe ich eine Doppelmoral! Aber in diesem Post geht es nicht um den HSV!!)
-die Leistungsniveaus der Vereine und der Ligen gehen immer weiter auseinander. Gestern gab es am ersten CL-Spieltag wieder kaum enge Partien und diese Tendenz wird sich durch die Reform der Qualifikation weiter fortsetzen.
Diese Liste könnte man noch weiter fortsetzen.
Man verstehe mich bitte nicht falsch, ich bin kein völlig verkopfter Ideologe und wünsche mir keine Baumwolltrikots und Lederbälle zurück.
Aber nachdem der Fußball es geschafft hat, eine tolle Unterhaltung für alle Menschen unabhängig von Alter, Herkunft und Interessen zu werden, habe ich gewisse Sorgen, dass das in Zukunft nicht mehr der Fall sein wird.
Der größte Faustpfand der Bundesliga - die vollen Stadien mit engagierten und lautstarken Fans - droht verloren zu gehen und in vielen anderen Ländern gibt es ähnliche Entwicklungen die teilweise schon deutlich weiter fortgeschritten sind. Mir macht es nach wie vor großen Spaß im Volkspark in der Kurve zu stehen, aber gegen Vereine zu spielen die nur dem Zweck dienen, einen Energy-Drink zu bewerben oder deren Existenz auf dem Geld eines Software-Milliardärs begründet ist, begeistert mich nun einmal viel weniger als gegen Traditionsvereine zu spielen, die 6000 Fans mitbringen, wo das Duell mit unzähligen Geschichten aufgeladen ist und das Duell "Stadt vs. Stadt" im Vordergrund steht.
Die Qualifikation von Hoffenheim und RB für den Europapokal ist sportlich absolut verdient und normalerweise drücke ich allen deutschen Startern im Europapokal die Daumen. Aber, dass die Bundesliga dieses Jahr von diesen beiden Mannschaften repräsentiert wird, ist mir schlichtweg ein Dorn im Auge. Warum nicht Gladbach? Warum nicht Frankfurt? Warum nicht Schalke und ja, sogar, warum nicht Werder? Das sind die Fragen die mir durch den Kopf gehen.
Die Entwicklungen machen mir große Sorgen, da ich den Eindruck habe, dass der Fußball in den ich mich als Kind (was für mich als 23-jährigen auch nicht unfassbar weit zurück liegt) verliebt habe, Formen annimmt, mit denen ich mich in keinster Weise mehr identifizieren kann. Wenn das, was ich glaube, vielen anderen auch so geht, könnte es in einigen Jahren sein, dass wir Verhältnisse wie in Italien oder England haben, mit leeren und stimmungslosen Stadien. Jeder guckt gemütlich alle Spiele auf der Couch und zur WM geht es dann ausnahmsweise mal raus auf die Fanmeile. Aber durch die tolle Auslandsvermarktung gehen BVB-Trikots in Indonesien weg wie warme Semmeln, da frage ich mich - wozu das ganze?
RB ist definitiv die Kirsche auf dem Sahnehäubchen der Kommerzialisierung. Ich sehe aber nicht ein, mich damit klaglos abzufinden und mich daran zu gewöhnen. Lösungen für diese Probleme gäbe es. Aber so lange bei allen Funktionären, das Streben nach Profit im Vordergrund steht und nicht die Liebe zum Sport, wird diese Entwicklung weitergehen.
In der Regionalliga bei Altona 93 schmeckt das Bier bestimmt auch, nur die große Kulisse würde mir wahnsinnig fehlen.