24/02/2020
Auszug aus „Zusammenhänge im Pferd“:
„Warum wird man den Tierarzt nicht mehr los, wenn er einmal auf dem Hof war?
Es ist ein Phänomen, welches wahrscheinlich fast jedem Reiter / Pferdebesitzer bekannt ist und ich selbst hörte diesen Ausspruch bereits von den Pferdebesitzern meiner Kindheit.
Meine Großmutter hatte für die Redensart nicht viel übrig, glaube ich, und bei ihren Pferden war es, bis auf eines, interessanter Weise auch nie so, aber bei den anderen Pferdehaltern und Reitern in unserer Umgebung sehr wohl.
Die Pferde hatten über Jahre nichts, gar nichts.
Nicht einmal ein Hufgeschwür.
Und dann bekamen sie eines Tages einen Atemwegsinfekt oder eine Kolik, zogen sich eine Sehnenzerrung oder eine Griffelbeinfraktur zu und erholten sich nie wieder richtig.
Ab dem ersten Besuch des Tierarztes sah man ihn von da an tatsächlich mehrmals wöchentlich / monatlich wieder auf denselben Hof rollen.
Und zwar nicht, weil er sich bereichern wollte oder schlechte Arbeit machte, sondern weil die betreffenden Pferde vom Zeitpunkt der ersten Erkrankung / Verletzung an, wirklich immer wieder „irgend etwas hatten“.
Was mich dabei am meisten beschäftigte war der Fakt, dass die Anlässe wegen derer der Tierarzt immer wieder kommen musste meistens überhaupt nichts mehr mit der ursprünglichen Angelegenheit zu tun hatten:
Ein Pferd, welches eine Kolik gehabt hatte war plötzlich einige Wochen später hinten lahm. Ein anderes kam beim Wälzen nicht mehr herum und hatte auf einmal Schwierigkeiten in den Seitengängen.
Ein zuvor allerliebstes, rittiges Pferd, welches sich einfach nur vertreten und eine Sehne im Vorderbein gezerrt hatte, wehrte sich plötzlich beim Reiten gegen den Zügel, riss den Kopf hoch und begann zu steigen - wohlgemerkt nachdem es monatelang Pause gehabt hatte und die Sehne komplett verheilt und schmerzlos war. Kurz darauf war es auf dem anderen Vorderbein lahm.
Ein Pferd, welches ein etwas hartnäckigeres Hufgeschwür im Hinterhuf gehabt hatte, wollte nach dem kompletten Ausheilen desselben plötzlich auf der einen Hand nicht mehr angaloppieren und sackte in den Übergängen vom Galopp in den Trab und vom Trab zum Schritt mit der Hinterhand weg, einige Zeit später war es auf dem gesunden Hinterbein lahm.
Ein anderes Pferd hatte nach einem Husten, welcher früh behandelt worden und ausgeheilt war, plötzlich keine Elastizität mehr, schwang nicht mehr über den Rücken und stolperte viel, manchmal hatte es Taktstörungen. Und es bekam von da an alle paar Wochen wieder einen Infekt der Atemwege.
Solche Beispiele könnte ich zu hunderten aufzählen.
Die Besitzer und Tierärzte schienen ratlos, man behandelte weiter die jeweils akuten Symptome bis zu deren Abheilung, aber es kam immer wieder etwas Neues hinzu.
Für mich war es eines der größten Rätsel der Pferdewelt.
Sie können sich daher vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich Zusammenhänge fand, die den weitaus größten Teil dieser Verkettungen erklärten.“
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